Chiara Fröhlich · 07.10. - 01.11.2019

Costa Rica

Wie immer war es bei uns zu Hause vor einer Reise etwas hektisch - hatte ich auch nichts vergessen (ich bin eher ein „Last-Minute-Packer“) und würde der Koffer überhaupt zugehen (schließlich sollte ich für vier Wochen nach Zentralamerika reisen)? Und ab wie viel Kg muss man eigentlich Übergepäck bezahlen?

Aber der Koffer ging zu, wir saßen pünktlich im Bus zum Flughafen und ich merkte, dass ich zwar aufgeregt war, mich aber auch sehr auf diese Reise freute. Das mit dem Übergepäck ging gerade noch einmal gut, sicherheitshalber hatte ich noch ein paar Dollar gewechselt und ging zum Abfluggate.

Leider war das Flugzeug defekt und so verschob sich der Abflug immer wieder, aber schließlich sind wir mit zwei Stunden Verspätung in Richtung Costa Rica gestartet.

Obwohl wir fast 12 Stunden geflogen sind, verging die Zeit sehr schnell und dann sah ich endlich die Lichter von San José, der Hauptstadt Costa Ricas. Hier sollte ich jetzt vier Wochen leben - bei einer Familie in einem fremden Land mit nur wenig Spanischkenntnissen - jetzt war ich wirklich aufregt. Am Flughafen wurde ich von meiner Gastschwester und ihrer Mutter herzlich begrüßt und vom ersten Moment an habe ich mich als ein Teil der Familie gefühlt.

Das Klima war angenehm und obwohl es dunkel war, konnte ich fühlen, dass mich hier ein anderes Land und ein anderes Leben als zu Hause erwarten würde. Costa Rica (deutsch: „reiche Küste“) ist ein von Regenwäldern durchzogenes Land mit Küstenabschnitten im Osten am Karibischen Meer und im Westen am Pazifik. Die Hauptstadt heißt San José, das Klima ist tropisch und das Land mit Spanisch als Amtssprache gilt als eines der fortschrittlichsten Lateinamerikas (z.B. wurde die Armee 1948 zugunsten der Förderung von Bildungs- und Gesundheitsprogrammen abgeschafft).

Außerdem ist Costa Rica bekannt für seine Strände, für seine Nationalparks mit Vulkanen sowie für seine Flora und Fauna. Etwa ein Viertel des Landes besteht aus geschützten Dschungelgebieten, in denen zahlreiche Tiere wie Klammeraffen, Nasenbären und Alligatoren leben.

Auch ich kam in den Genuss dieser phantastischen Natur - an den Wochenenden haben meine Gastfamilie und ich tolle Ausflüge zum Strand, in den Dschungel (es gibt dort wirklich riesige Alligatoren und Nasenbären), zu einem 3500 m hohen Vulkan und zu Thermalbädern gemacht. Diese Eindrücke waren unbeschreiblich schön und ich werde sie nie vergessen.

Was ich aber auch ganz sicher nie vergessen werde, ist die Herzlichkeit, mit der mir die „Ticos“ (so nennen sich die Einwohner Costa Ricas) überall begegnet sind. Egal wo ich hinkam, wurde ich erst einmal mit einem freundlichen „Buenas“ begrüßt.

In meiner Gastfamilie hatte ich es einfach, denn die Familie hat deutsche Wurzeln und so konnten wir uns zu Hause auf Deutsch unterhalten, da meine Spanischkenntnisse nicht besonders gut ausgeprägt sind. Aber ich habe überall versucht, auf Spanisch zu kommunizieren. Manchmal war ich erfolgreich, meistens wurde es jedoch eine Mischung aus Deutsch, Spanisch und Englisch, aber vor allem eine Mischung aus Händen und Füßen mit viel Lachen.

Das Leben in San José selbst ist nicht so hektisch wie bei uns in Deutschland. Es geht alles etwas relaxter und entspannter zu und bevor man etwas erledigt, wird erst einmal ein bisschen geplaudert - das hat mir sehr gut gefallen und davon habe ich mich gleich und auch gerne anstecken lassen.

Obwohl die Kriminalitätsrate in Costa Rica niedriger ist als in einigen benachbarten Ländern, so war es für mich doch sehr ungewohnt, dass man sich im Dunkeln nicht mehr alleine draußen aufhalten oder bewegen durfte. Sogar das Spazierengehen in der unmittelbaren Nachbarschaft ging nur spätestens bis zur Dämmerung.

Wenn man abends irgendwo hin wollte, dann fuhr man mit dem Auto, mit dem Taxi oder mit Uber - zu Fuß gehen oder öffentliche Verkehrsmittel kamen nicht infrage.

Zu der Zeit, zu der ich in Costa Rica war, fanden im „Colegio Humboldt“ die ersten Prüfungen statt, was bedeutete, dass die Schüler unter der Woche viel lernen mussten. Wenn wir aber nachmittags unterwegs waren und etwas unternahmen, dann waren wir meistens in Shopping Centern und haben uns dort mit Freunden getroffen, gequatscht und etwas gegessen.

Ein großes Highlight für mich war ein Schulball, zu dem ich eingeladen war. Der Ball fand in einem großen, prächtig geschmückten Saal eines Hotels statt. Besonders die lateinamerikanische Musik hat für eine tolle Stimmung gesorgt und wir haben stundenlang getanzt und die Lieder mitgesungen (auch wenn ich nicht genau weiß, was ich gesungen habe - ihr wisst, meine Spanischkenntnisse).

Auch kulinarisch wurde ich mit tollem einheimischem Essen verwöhnt (z.B. Reis mit Hühnchen oder Guacamole) und vor allem mit den leckersten Obstsorten wie Papaya, Mango, Ananas und was das Herz sonst noch begehrt. Natürlich kann man diese exotischen Früchte auch bei uns mittlerweile fast überall kaufen, aber geschmacklich besteht ein riesiger Unterschied.

Aber ich bin natürlich nicht nur gereist und habe gut gegessen, sondern ich habe auch im Colegio Humboldt gearbeitet. Da meine Gastfamilie nur fünf Minuten entfernt von der Schule wohnt, konnte ich zu Fuß gehen (tagsüber ist es kein Problem).

Herr Heinz (ein ehemaliger Lehrer vom Hansenberg) und seine Mitarbeiter haben uns auch ganz herzlich aufgenommen und wir waren sofort ein Teil der Schule.

Wir haben während unseres Praktikums einige Aufgaben wie Lehrmaterial erstellen und Ordner digitalisieren übernommen und so einen ganz guten Einblick in die Verwaltung und die Organisation der Schule bekommen. Das Schulsystem unterscheidet sich schon sehr von unserem, z.B. gibt es in den unteren Klassen eine Schuluniform.

Am meisten hat mir die Arbeit im Kindergarten gefallen. Die Kleinen waren so süß (wir waren sogar zusammen im schuleigenen Schwimmbad schwimmen) und wollten uns am letzten Tag gar nicht gehen lassen - das war sehr rührend und auch eine  schöne und bleibende Erinnerung.

Und dann war es soweit - alles Schöne geht einmal vorüber und der Tag der Heimreise kam. Die vier Wochen vergingen so schnell (es fühlte sich an als wäre ich gerade erst angekommen) und trotzdem musste ich schon wieder Koffer packen. Diesmal ging er wenigstens ohne Probleme zu und auch die Gefahr von Übergepäck bestand nicht.

Vor meinem Abflug waren meine Gastfamilie und ich noch einmal in einem tollen Restaurant essen und danach haben sie mich zum Flughafen gebracht und mir gewunken bis ich durch die Sicherheitskontrolle war und sie nicht mehr sehen konnte.

Nach fast 12 Stunden Flug bin ich am Sonntagnachmittag wieder in Frankfurt gelandet.

Mein Auslandspraktikum war ein tolles Erlebnis und eine tolle Erfahrung (ich habe viel über das Land und die Menschen gelernt) und wird immer in meiner Erinnerung bleiben.

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