"Democracy has to be born anew every generation, and education is its midwife." John Dewey, School and Society, 1889

Eine meiner Aufgaben als Lehrerin – die Leitung eines Schüleraustauschprogramms zwischen Hessen und seinem Partnerland Wisconsin – führte mich über viele Jahre in die USA. Bei einem Ausflug in das Chicago History Museum begegnete mir John Dewey mit dem Kern seines Demokratieverständnisses erstmals. Seither begleitet mich dieses Zitat. Es verkörpert, was ich bereits selbst als Jugendliche in der Schule gespürt und erlebt habe: Bildung heißt bei aller Ausdauer und Beständigkeit, immer wieder mutig neu anzufangen, dies als verantwortungsvolle Chance zu begreifen, Menschen und Sachverhalte immer wieder in anderem Licht zu sehen und daraus neue Ideen für eine Gemeinschaft zu entwickeln.

Die damit eng verbundene Neugier war und ist mir insofern ein doppelter Antrieb: einerseits in jeder neuen Generation an Jugendlichen neue Ideen, Geister und Möglichkeiten zu entdecken und gemeinsam Chancen auszuloten und zu gestalten; andererseits meine eigenen fachlichen Interessen für Ev. Religion und Deutsch auch praktisch voranzutreiben und neu zu betrachten.

Getragen von einer tiefen Glaubensüberzeugung konnte ich daher mehr als ein Jahrzehnt die schulische Seelsorge zu einem Schwerpunkt meiner Arbeit mit Jugendlichen machen. Verbinden ließ sich dies mit der Verantwortlichkeit für einen intensiven Auf- und Ausbau schulischer Gewaltpräventionsarbeit. Eine mehrjährige Abordnung in die Bildungsverwaltung wiederum half mir dabei, in die Vielschichtigkeit schulischer Arbeit und Ansprüche wesentliche Einblicke zu gewinnen.

Am Hansenberg nun begeistert mich insbesondere die neue Erfahrung der Tandem- Arbeit zwischen Sozialpädagogik-Kräften und Lehrkräften. Als Tandem eine WG zu begleiten und gemeinsam aus verschiedenen Perspektiven Jugendlichen in der Entfaltung ihres Muts, ihrer Verantwortung und ihrer Persönlichkeit zur Seite zu stehen, erlebe ich als einen großen Schatz für pädagogisches Handeln. Die Kraft und der Ideenreichtum, welche insbesondere von den Jugendlichen ausgehen, scheinen zu bestätigen, dass die Bereitschaft, mit jeder neuen Generation an Menschen und bei aller notwendigen Beständigkeit doch immer wieder neu anzufangen, neu zu denken und zu handeln, wesentlicher Bestandteil von Demokratiebildung ist. Dies kann unglaubliche Horizonte öffnen, denn „[w]ir können nicht arbeiten, ohne zu hoffen, dass andere weiter kommen werden als wir.“ (Max Weber, Wissenschaft als Beruf, 1917).