Internatsschule Schloss Hansenberg

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Schule

Abiturrede 2010

Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,
Sehr geehrte Frau Ministerin,
Sehr geehrter Herr Boekels von der Firma Linde
Sehr Geehrter Herr Boschke von der Commerzbank
Sehr geehrte Eltern und Gäste,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
liebe Abiturientinnen und Abiturienten,

Ja, liebe Abiturientinnen und Abiturienten, Orientierung in diesen Zeiten ist nicht einfach, neben den klassischen Print- und Analog-Medien twittern, BlackBerry, E-Mail oder Smartphones, um nur einige zu nennen, um Ihre digitale Aufmerksamkeit und versuchen Sie zu manipulieren. Und auch die Politiker, Eltern oder gar Lehrer sind nicht mehr die, die sie einst waren - auch sie können Ihnen nicht so einfach sagen, wo es nun lang geht:
Sie, liebe Abiturientinnen und Abiturienten, sollen weltweit in den nächsten Jahren Klimakrise, Finanzkrise, Hungerkrise und Terrorismusgefahren in den Griff kriegen und gleichzeitig bei uns zu Hause im Generationenvertrag Ihre Eltern und Großeltern in Sicherheit und Wohlstand bei Laune halten. Ich gebe zu, dies klingt ganz schön anstrengend - aber jetzt keine Panik. Es gab auch Generationen vor Ihnen, etwa die Abiturienten 1914 oder 1939, die nach ihrer Prüfung auf die Schlachtbank Europas mussten und wenn, nur mit viel Glück überlebten oder die Abiturjahrgänge 1923 und 1947, die in ein volkswirtschaftliches Chaos hinein entlassen wurden.

Also behalten Sie die Nerven - auch andere in Ihrem Alter mussten schon Probleme lösen - und höchst wahrscheinlich gravierendere, wenn wir ehrlich sind.

Als Ihr Schulleiter, liebe Abiturientinnen und Abiturienten, der Sie die letzten drei Jahre begleitet hat, maße auch ich mir nicht an, nun zu sagen, dort ist das Ziel, da müssen Sie hingehen, hier geht es lang - dazu ist die globale Welt zu komplex, auch wenn sie aus der Weltraumperspektive so klein, so übersichtlich, ja fast putzig ausschaut.

Aber Eines kann ich Ihnen versichern, liebe Abiturientinnen und Abiturienten - an dieser Schule haben wir uns in den letzten drei Jahre intensiv bemüht, Sie gut vorzubereiten auf das, was Sie erwartet; Ihre Kenntnisse, Ihre Fähigkeiten und Ihre Persönlichkeit standen bei uns auf dem Prüfstand und sind curricular und extra curricular gefördert und gefordert worden. Ich erwähne beispielhaft Ihr Auslandspraktikum oder Ihr Forschungstrimester zwischen schriftlichem und mündlichem Abitur.

Das Rüstzeug haben Sie nun mitbekommen, eine hervorragende Ausbildung, die Sie in die Lage versetzt, in Eigenverantwortung Ihre Ziele selbst zu suchen und Schritt für Schritt zu realisieren.
An dieser Stelle möchte ich allen Lehrkräften, den Sozialpädagogen, der Verwaltungsmannschaft, den Hausmeistern, dem Küchenteam und den Reinigungskräften, die sich in den letzen drei Jahren hier umfassend und nachhaltig um Sie bemüht haben, recht herzlich danken, ich hoffe in Ihrer aller Namen.

Von außen, liebe Abiturientinnen und Abiturienten, werden wir oft eine ”Eliteschule” genannt, wir selbst nehmen das Wort nur selten in den Mund, ob wir gut sind und wie gut wir sind, sollen andere beurteilen. Aus diesem Grund nehmen wir ja auch an zahlreichen Wettbewerben, quer über alle Fachbereiche hinweg teil und schneiden dort oft sehr erfolgreich ab.

Auf der anderen Seite wissen aber natürlich alle, dass Sie hier ein anspruchsvolles Auswahlverfahren durchlaufen haben und mit besonderen Programmen, auch durch unsere Wirtschaftspartner, denen an dieser Stelle besonders herzlich gedankt sei, ganz besonders gefördert, aber eben auch gefordert worden sind.

Wenn ich hier jetzt den Begriff ”Elite” doch einmal strapaziere, dann unter ganz bestimmten Voraussetzungen und auch unter Erwartungen und Hoffnungen, die wir damit an Sie knüpfen. Unser oberstes Richtziel an dieser Schule war und bleibt, dass wir die Fähigkeiten und Einstellungen von Leistung, Motivation und Verantwortung zusammenführen wollten und wollen. Leistung allein zählt nichts, aber auch gar nichts ohne eine produktive und positive Verantwortungshaltung zu sich selbst und der Gemeinschaft, in der man lebt. Denn mit Leistung allein kann ich auch ungeheuer Negatives bewirken für eine soziale Gesellschaft. Dies hat gerade unsere deutsche Geschichte auch schon zu oft bewiesen. Anders ausgedrückt: wenn die Leistungselite in diesem Land sich nicht auch als Verantwortungselite für das Gesamte definiert, werden wir absteigen, ja verlieren in dieser unserer globalisierten Welt. Meine Hoffnung, ja meine Erwartung an Sie, liebe Abiturientinnen und Abiturienten ist, dass Sie diese Haltung mit hinaus nehmen in Ihre weitere Laufbahn, in Ihr zukünftiges Leben, wo immer Sie in Familie, Beruf und Gesellschaft landen und Verantwortung übernehmen werden.

Diese Erkenntnis ist im Übrigen auch nichts Neues, es ist etwa der uralte Gedanke in der Glücks-Philosophie des Aristoteles, den Sie hier im Ethik- oder Philosophie-Unterricht kennen gelernt haben, der besagt, dass man persönliches Glück nur erlangen kann, wenn man seinen ”logos”, also seinen Verstand, einsetzt und sich als ”zoon politicon”, also als gemeinschaftsfähiger und verantwortungsbewusster Mitbürger bewährt.

Persönliches Glück und Verantwortung für die Gemeinschaft gehen eine untrennbare Symbiose ein. Allein verkümmern Sie, im Team leben Sie auf - auch ein Arjen Robben ist nichts ohne Mannschaft, ohne soziales Netz in Familie und Verein.

Wenn ich die aktiven Bemühungen unseres Alumni-Vereins, also der ehemaligen Schüler des Hansenbergs sehe, nun auch auf Sie übertrage, bin ich zuversichtlich, dass auch Sie diese Einstellung, nicht nur an sich, sondern auch an die anderen zu denken - was nebenbei gesagt auch der Kern des christlichen Ethos ist - weiter tragen werden.

Am Ende meiner Abiturrede 2010 möchte ich Ihnen noch drei Zitate von ganz unterschiedlichen Menschen mitgeben, ja schenken, die diesen Zusammenhang auch erkannt haben:

In der größten Not des Jahres 1940 hat der damalige englische Premierminister Sir Winston Churchill folgendes formuliert:
”Der Preis der Größe heißt Verantwortung”

Bundespräsident Horst Köhler sagte es in seiner Rede zum Nationalfeiertag am 03. Oktober 2004 so:
”Erprobe deine Kräfte und mach das Beste aus deinen Talenten, aber tu es so, dass es unseren Zusammenhalt stärkt”

und schließlich aus aktuellem Anlass: ”Wer diejenigen nicht fördert, die Verantwortung übernehmen, schwächt die Gesamtleistung und damit automatisch auch die Schwächeren.”
Dies ist von Oliver Bierhoff, dem Manager der deutschen Fußball Nationalmannschaft.

Ich wünsche Ihnen, liebe Abiturientinnen und Abiturienten nun alles Gute, viel Glück und Gottes Segen für Ihre Zukunft.

Machen Sie es gut oder besser!

Wolfgang Herbst, Schulleiter

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