Internatsschule Schloss Hansenberg

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Schule

Bericht über den Nähworkshop im Rahmen der Projektwoche vom 14. April 2008 bis 18. April 2008 an der Internatsschule Schloss Hansenberg

Präsentation der selbst geschnittenen Kleider

Präsentation der selbst geschnittenen Kleider

Fünf Tage Nähworkshop. Neun Schülerinnen. Neun Nähmaschinen, neun weiße Hemden, achtzehn Kleidungsstücke, Garne, Scheren, Maßbänder, viel Staub und viele Nadeln.

Der Workshop war der erste Workshop, den ich gestaltet und geleitet habe. Wie fängt man so einen Workshop an? Wie baut man ihn auf? Was würde ich mir selber von einem solchen Projekt erwarten? Mit Fragen und Wünschen im Hinterkopf und mit viel Neugierde startete an einem Montag im April der Nähworkshop.

Die Aufgabe war gestellt. Aus einem weißen Herrenhemd sollte jede der Teilnehmerinnen „ihr Hemd“ machen. Bis auf Färben war alles erlaubt, was ein Hemd personalisieren konnte. Ohne zu genau auf die technischen Kniffe des Nähens einzugehen, habe ich meine neun Schülerinnen ins kalte Wasser geworfen und an den Nähmaschinen arbeiten lassen. Mich beeindruckte, mit wie viel Mut und Tatkraft sie angefangen hatten, die Maschinen zu nutzen. Es gab kaum Berührungsängste mit diesem, für die meisten völlig unbekannten Werkzeug. Allerdings war dieser Tatendrang auch von einer Form von Unruhe gekennzeichnet. Keine der Schülerinnen hatte sich Skizzen gemacht oder sich die Zeit genommen, eine Form im Kopf und auf Papier durchzuspielen, bevor die Idee in die Tat umgesetzt wurde.

Dieser Eindruck bestätigte sich im Laufe der Woche. Am Dienstag bekam jede Schülerin zwei Kleidungsstücke. Dazu wurde jeder eine Charaktereigenschaft und eine Kollegin zugelost. Die Aufgabe bestand darin, aus den zwei Kleidungsstücken eines zu machen, welches die Charaktereigenschaft einfangen und der Kollegin passen sollte. Die Originalkleidungsstücke mussten an den Nähten aufgetrennt, und es sollten, wenn möglich, alle Einzelteile für das neue Stück verwendet werden. Aus zwei mach eins!

Hier war zunächst Geduld und Feinarbeit gefragt, was große Unruhe und zum Teil auch erkennbaren Unmut verursachte. Ich hatte den Eindruck, dass ihnen hier nicht schnell genug etwas Handfestes entstand. Wobei die Überraschung und auch Freude über die Vielzahl und die Eigenart einzelner Schnitteile groß war.

Die Lösungen für die einzelnen Fragestellungen entstanden recht schnell. Es wurde viel an der jeweiligen Person drapiert, schnell zusammengenäht. Das Meiste war einfach so entstanden, manchmal wurde herumprobiert. Sie waren alle sehr ergebnisorientiert. Es sollte schnell und gut gehen. Dadurch wurde die Zeit weniger zum Experimentieren und Ausprobieren genutzt, was die Ergebnisse nicht zwangsläufig negativ beeinflusste. Jedoch ging auf diese Weise experimenteller Spielraum und vor allem kreatives Erleben verloren.

Der Zeitpunkt des Workshops war nicht besonders günstig. Ich hatte den Eindruck, dass es allen Schülerinnen Spaß gemacht hatte, sich handwerklich zu betätigen. Jedoch waren sie alle sehr eingenommen von den Abiturprüfungen. Zumindest waren die vergangenen und noch bevorstehenden Prüfungen Hauptgesprächsthema und an fast allen Tagen Grund für die Ein oder Andere, früher zu gehen. Ich denke, dass es ganz gut ist, diese Übergansphase zwischen den Prüfungen mit praktischen Projekten zu füllen. Vielleicht ist ein Nähworkshop aber in dieser Hinsicht nicht praktisch genug? An manchen Tagen schien mir der Workshop ein Programmpunkt auf dem Weg zum Abitur, den es abzuarbeiten galt.

Aufgefallen ist mir eine große soziale Kompetenz innerhalb der Gesamtgruppe. Wenn es darum ging, etwas gemeinsam zu organisieren wie zum Beispiel das Auf- und Abbauen des der Nähstube oder das Einrichten des Photostudios o. ä. wurden alle munter und teilten sich in die notwendigen Arbeiten oder ließen sich gerne eine Aufgabe zuteilen. Ebenso gut konnte jeder für sich konzentriert und zügig arbeiten.

Allerdings waren die Schülerinnen erstaunlich selbstbezogen, als es darum ging, jemandem aus der Gruppe zu helfen…nicht aktiv zu helfen sondern mit Ideen und Assoziationen zur Seite zu stehen. Sie waren kaum in der Lage, sich mal vom „eigenen Problem“ zu lösen und sich in eine andere Person hineinzuversetzen. Ich hatte den Eindruck, dass hier die Sozialkompetenz an ihre Grenzen stieß. Solange ein Engagement dokumentierbar war, wurde es gezeigt. Aber sobald man selber keinen wirklichen sichtbaren Nutzen aus einer Sache ziehen konnte, wurde sich auf die eigene Arbeit konzentriert.

Überraschend fand ich, wie sehr die Schülerinnen modischen Trends unterworfen waren. Germany’s Next Topmodel schien omnipräsent zu sein. Alles sollte zunächst hübsch und süß aussehen und den Körper so repräsentativ wie möglich umkleiden.

Ich war fast erschrocken, wie wenige sie sich zunächst getraut hatten, wirklich Eigenes zu zeigen. Plötzlich war der Altersunterschied zwischen uns enorm und eine Erfahrung meinerseits hatte sich bemerkbar gemacht, die ich selber in dieser Hinsicht so stark noch nicht gespürt hatte.

Umso überraschender und spannender sind die Ergebnisse geworden. Sie zeigen in einigen Details, dass sich die Schülerinnen von eigenen ästhetischen Vorstellungen zu lösen wagten, um dem Kleidungsstück nicht eine unnötige Schönheit, aber eine notwendige und starke Ausdruckskraft zu verleihen. Die Schönheit kam dann, das sieht man an den Bildern des Photoshootings, fast von alleine.

Johanna Sophie Spichalsky
(Frau Spichalsky ist Studentin der UDK Berlin und steht kurz vor ihrem Examen als Modedesignerin.)

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