Internatsschule Schloss Hansenberg

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„Lebenswert“ – Oder wer oder was hilft wirklich?

Sam, Pro7, Mo-Fr, 13:50 h. Ob praktische Haushaltsratschläge, neueste Mode-Trends oder schräge Sex-Tipps, die sonst glatt an dir vorbeigegangen wären: die Rubrik „Lebenswert“, hilft, das eigene Leben aufzuwerten und erinnert daran, dass es die kleinen Dinge im Leben sind, die besonders zählen! Details und Nichtigkeiten, über die du mit Freunden gar nicht erst sprichst, denn die würden es ja doch nicht verstehen.

Doch obwohl die tanzende Schneeflocke, die sich sanft auf deiner Schulter niederlässt, unerwähnt bleibt, vergessen wird sie nicht. Genauso wenig wie das Stückchen Schokolade, das dir so unerwartet angeboten wird. Von jemandem, der dich für gewöhnlich nicht einmal grüßt. Da ist es egal, dass du Traube-Nuss eigentlich gar nicht magst.

Oder eben die nützliche Pizza-Schere, die du dir auf den Ratschlag von „Sam“ hin für ein Schweinegeld angeschafft hast. Doch was tut man nicht alles für dieses stylische Designer-Stück, das den Pizzaboden sauber durchtrennt, ohne den Karton zu zerschneiden? Und dir das Gefühl gibt, eine Person von Welt zu sein?

Das macht einem wieder bewusst, warum man lebt. Warum es sich lohnt. Und hier auf dem Hansenberg? Was ist es, das uns hier bei Laune hält? Man murrt, beschwert sich. Die Schule zu lang, zu anstrengend und zu schwer. Die Lehrer anspruchsvoll. Von zu Hause getrennt, die WG nervt und der Zimmernachbar schnarcht! Die Probleme scheinen nicht gerade gering.

Doch – was ist es? Was hält uns hier? Was macht unser Leben lebenswert? Diese Frage kam auch in der letzten Mentorensitzung auf, die gemeinsam mit unserer Paten-WG aus der Elf stattfand. Die positiven Seiten – welche sind es? Pflichtbewusst lieferten wir Antworten; die Gemeinschaft, die eigene Weiterentwicklung, das vielfältige Freizeitangebot.
Aber mal ganz ehrlich – auf die ständigen Gerüchte (vorzugsweise über einen selbst!), den dauernden Zwang zur Eigenständigkeit und die AGs, mit denen man sich selbst überlädt, auf die könnten wir alle doch auch gut mal verzichten. Oder?

Die wunderschöne Schlossterasse. Zufluchtsort, Platz zum Träumen, zum Gedanken baumeln lassen, zum Sterne-Gucken in der Nacht, zum Kilometer-bis-nach-Hause-Ausrechnen. Erstaunlich häufig wurden der herrliche Ausblick und die schöne Landschaft als Heilmittel Nr.1 gegen aufkommenden Stress und Heimweh genannt

Bei anderen von uns ist es das Gefühl, nach dem Heimfahrtswochenende wirklich „heim“ zu kommen und zu merken, dass man vermisst wurde. Das Wissen, gebraucht zu werden. Und gemocht. Oder auch die kleinen „Lichtblicke“ in einer harten Woche, wie die Lieblings-AG oder auch nur die Aussicht auf einen Abend in der Tanzschule Jolie, wo man aufgrund von „Männermangel“ ständig die Jungenschritte tanzen muss.

Vielleicht ist es jedoch auch das Klavier-Spielen, das Malen, Singen, der Sport. Die Witze unseres Lehrers, die ihn manchmal doch so liebenswert machen und dich zum Lachen bringen? Dein Teddybär mit den abgewetzten Ohren und dem lockeren Knopfauge? Etwas, dass dir keiner nehmen kann. Weder Lehrer, noch Regenwolken, noch der schlimmste Liebeskummer.

Und? Was ist dein persönlicher Aufheller? Keine Ahnung? Sam, Pro7, Mo-Fr, 13:50h

Eva Krockow, Kl. 13 (2005/2006)

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