Schon von der Entstehung im Mutterleib an nimmt ein „echter Hansenberger“ Dinge in seiner Umgebung weit intensiver wahr: geschmeckt, gerochen, gehört, gesehen oder erfühlt. Alle diese Empfindungen werden im Gehirn komplexer verarbeitet um ein differenzierteres Bild von seiner Umgebung zu schaffen. Sie werden bewertet und versetzen den Hansenberger oft unbewusst in eine bestimmte Stimmung, nachfolgend den Gemütszustand genannt. Dies ist ein automatischer Mechanismus im Hansenberger, damit er bestimmte Situationen schnell erfassen und dementsprechend handeln kann. Als Beispiel dient ein Auto, das auf den Hansenberger zugerast kommt und vor dem er schnell Angst empfinden muss, um aus dem Weg zu springen. Das Gehirn hat hier automatisch und reflexartig einen ängstlichen Gemütszustand angenommen, damit der Mensch schnell reagieren kann.
In nicht so krassen Beispielen erlebt ein Hansenberger diese Gemütszustandsänderung vielfach am Tag. Eine duftende Blume im Klassenzimmer z. B. verändert dem Gemütszustand zum Positiven hin, ein schlechter Geruch eines Lehrers oder Mitschülers zum Negativen. Selbst Dinge, die eigentlich keine positive oder negative Wertung haben, können eine Gemütszustandsänderung hervorrufen, wenn der Hansenberger in diesem Moment an etwas Bestimmtes denkt oder sich aufgrund dieses Gegenstands an etwas Positives oder Negatives erinnert. Da diese Empfindungen aber „objektiv“ nicht messbar sind, da jeder Hansenberger individuell an bestimmte Dinge denkt und auch der Gemütszustand nicht in Zahlen und Fakten messbar ist, kann also schon nach der ersten Empfindung kein völlig neutraler Gemütszustand mehr erreicht werden. Der Hansenbergerist immer „gut oder schlecht gelaunt“.
Wenn nun ein Hansenberger immer einen positiven oder negativen Gemütszustand hat, bewertet er auch neue Empfindungen unterschiedlich. Man lacht über einen Witz beispielsweise nur, wenn man gut gelaunt ist. In einem positiven Gemütszustand sieht man also Empfindungen positiver, in einem negativen Gemütszustand negativer. Da man aber den Gemütszustand des Hansenbergers nicht objektiv messen kann, kann also auch nicht gesagt werden, ob er eine Empfindung nun positiver oder negativer bewertet, als sie objektiv wäre.
Das verändert nun auch die Bewertung von Fakten. Wenn der Hansenberger gut gelaunt ist, ist es ein „schönes weißes Haus“, in einem negativen Gemütszustand ist es nur noch eine „hässliches graudreckiges Haus“. Aus dem Fakt eines Hauses wurden also zwei ganz verschiedene Häuser. Man könnte aber auf einen gemeinsamen Nenner kommen, wenn die Sprache genug Ausdrücke hätte um beispielsweise den Farbton neutral bewerten zu können. Man könnte übereinstimmen, dass es ein Haus im Farbton XY wäre, der genau festgelegt ist. Dies ist vergleichbar mit den Eskimos, die 200 verschiedene Wörter für Schnee haben. Aber selbst diese 200 Wörter sind noch viel zu ungenau, da sie noch Spielraum für persönliche Wertungen und dementsprechend also wieder dem Gemütszustand des Einzelnen haben. Eine hundertprozentig exakte Bewertung ist also sprachlich unmöglich und so wird ein und dasselbe Haus hundertmal unterschiedlich beschrieben oder erlebt.
Es ist also nicht klar, wo die Grenze des persönlichen Gemütszustandes zur objektiven Bewertung liegt, d. h. es ist also nicht feststellbar, welche Farbe das Haus nun hat. Wenn man jetzt vom Speziellen aufs Allgemeine geht, kann man also auch nicht objektiv sagen, welche Form das Haus hat, ob es das Haus wirklich so gibt und letzten Endes muss man sagen: man kann nicht sichergehen, dass es die Welt oder sogar den Hansenberger wirklich gibt. Alles kann nur eine Vortäuschung des Gemütszustandes sein und es gibt keine Möglichkeit, die Wahrheit objektiv festzustellen, da alle Feststellungsmaßnahmen durch Empfindungen von Menschen und also auch durch deren Gemütszustand laufen. Selbst die Wahrheitstheorie von der Mehrheit kann nicht stimmen, da auch die Mehrheit leicht von einem bestimmen Gemütszustand beeinflusst ist, was ja von der Massenpsychologie der Nazis her bekannt ist. Es gibt also vielleicht eine Wahrheit, aber sie wird auch durch den „echten Hansenberger“ nie erkannt werden können, da sie augenblicklich subjektiv gewertet und somit schon verändert wird.
Anders als bei Descartes handelt es sich hier also nicht um einen Täuschergott, dessen Widerlegung ausreichen würde, um sich von der Wahrheit zu überzeugen. Das scheinbar einzig Wahre, von dem man ausgehen kann ist wirklich Descartes Axiom, das vereinfacht ausdrückt „Ich denke, also bin ich“. Nur leider kann man daraus nicht die Schlüsse ziehen, die Descartes gezogen hat. Anstatt von dieser Basis aus die Existenz und Wahrheit alles anderen zu beweisen, muss man sagen: Mehr als das kann der Hansenberger auch nicht glauben. Denn Alles außer seinem persönlichen, individuellen Denken muss nicht wahr sein. Selbst die eigene Existenz aufgrund des Denkens ist äußerst ungewiss, da man zwar denken kann, aber dies in jeder Form tun kann und man vielleicht auch der Einzige ist, der das kann. Und die Kommunikation mit den Anderen ist ebenfalls, wie oben gezeigt, schwierig. Die Sprache erweist sich als nicht zu durchschauende Black Box. Nie bin ich sicher, ob das, was sich sage, auch so wirklich beim Anderen verstanden wird.
Das heißt, weder der Körper des Hansenbergers noch seine Mitmenschen müssen wirklich real sein. Alles andere sowieso nicht. Der Sinn im Leben besteht nur darin, das zu glauben.
Sebastian Dern, Klasse 12 d (2006/2007)